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Hier folgt nun ein Interview von einer iranischen Frau zum Thema Residenzpflicht

1. Wie erlebst Du die Residenzpflicht aus eigener Sicht anhand eines Beispiels.

"Residenzpflicht ist wie ein großes Gefängnis. Die Einschränkung durch die Residenzpflicht ist gegen die Natur des Menschen. Es macht mich traurig. Es ist die Angst, die einem eingepflanzt wird. Du hast Angst, wenn Du einen Polizisten siehst und Du wunderst dich, warum du Angst hast. Schließlich hast du ja nichts gemacht, was einen anderen Menschen verletzt. In der Bahn fürchtest du dich vor den Kontrolleuren, sie könnten ja mit der Polizei zusammenarbeiten. Die Residenzpflicht verwandelt die Länder in offene Gefängnisse".

2. Was würdest Du Dir für die Zukunft wünschen bezogen auf die Einschränkungen Deiner Bewegungsfreiheit?

"Diese Probleme sind von Menschen gemacht. Die Residenzpflicht macht mir ja bewusst, dass es Grenzen gibt, die Menschen trennen. Als ich im Iran lebte, war die iranische Grenze nur etwas Abstraktes für mich. Hier habe ich durch die Residenzpflicht erlebt, was Grenzen bedeuten. Ich wünsche mir eine Welt ohne Grenze. Heute auf der Fahrt habe ich Vögel fliegen sehen und war erstaunt; wir Menschen kennen und beherrschen die Natur, trotzdem verwandeln wir sie in ein Gefängnis. Die Grenzen sind von Menschen gemacht. Wenn wir eine andere Welt wollen, dann kann sie nur ohne Grenzen sein".

3. Wie bringst Du Deine Hoffnung zum Ausdruck, dass Du bezogen auf die Erklärung der UN-Menschenrechtscharta für Menschenrechte, Deine Bewegungsfreiheit erstreitest.

"Es gibt geschriebene und ungeschriebene Gesetze. Die ungeschriebenen Gesetze geben mir Kraft. Die UN-Charta ist zwar schön, aber sie hat keine Kraft und keine Gültigkeit. Die Charta gilt in Deutschland nicht, sondern die Residenzpflicht. Auf der Erde gibt es keine Freiheit. Anhand des Beispiels von Felix Otto haben wir gesehen, was die Residenzpflicht bedeutet. Er wurde wegen der Residenzpflicht verhaftet.

Sechs Monate war er im Gefängnis, wurde dort erniedrigt. Er wurde gefesselt an Händen und Füssen, sogar im Krankenhaus. Er wurde nach Kamerun abgeschoben.

Das ist die Residenzpflicht und sie ist Teil dieses Abschiebesystems, das Menschen ihre Freiheit nimmt. Oury Jalloh wurde aufgrund einer Kontrolle verhaftet. Die Residenzpflicht erlaubt solche Kontrollen. Er wurde ebenso wie Felix Otto an Händen und Füßen gefesselt, erniedrigt und in der Polizeiwache in Dessau getötet.

Im Iran gab es vor 100 Jahren die Verbannung. Vor allem politische Gegner wurden verbannt und durften nicht ihr zugewiesenes Gebiet verlassen. Die Residenzpflicht ist eine ähnliche Strafe und gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.

Um nochmal auf die Frage konkret zu antworten: In meine Hoffnung beziehe ich mich nicht auf die UN-Charta der Menschenrechte, sondern auf meine Erfahrung als Mensch und auf unsere Vernunft als Mensch und auf unser natürliches Bedürfnis, die Welt zu entdecken und  Beziehungen mit Menschen zu schließen, zusammen zu kommen, zusammen zu feiern und gemeinsam die Welt menschengerecht zu gestalten".

Das Interview wurde mit Farzane Xorshid geführt.