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Gefährliche Entwicklung – Rechtsextremismus in der Gegenwart


Sie agieren in den unterschiedlichsten Bereichen des politischen und gesellschaftlichen Lebens. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, Geschichtsfälschung und eine generelle Demokratieablehnung unterschreibt diese Szene.

Rechtsextremismus ist längst keine Randerscheinung mehr. Es sind nicht mehr allein dumpfe Stiefelträger, die das Bild des Rechtsextremismus bestimmen. Rechtsextremisten ködern vor allem unter Jugendlichen ihren Nachwuchs.

Das typische Einstiegsalter liegt zwischen 12 und 15 Jahren. Der Nationalismus ist vielleicht die gemeinsame untere Wurzel. Aber die Realität bestimmt er nicht mehr. Wir haben es viel mehr mit sehr erlebnisorientierten Gruppen zu tun – Kameradschaften, die Nachfahren der Wehrsportgruppen sind, die sich aus dem sehr politischen, also ideologischen Bereich, mehr wegentwickelt haben und vortäuschen, sich den sozialen Sorgen der Menschen anzunehmen.

Sie sind auf dem Wege eine Jugendkultur werden zu wollen, sind es zum Teil schon.

Auch die Kriminalität der rechtsextremen Kulisse in Deutschland ist anscheinend nicht zu stoppen.
Gleichzeitig nimmt auch die Brutalität der Szene weiter zu. Rechte Gewalt wird oft verbunden mit körperlicher Willkür, dazu gehören auch verbale Gewalt und unterschwellige Rassismen.

Alltäglich kommt es in allen Bundesländern, in Ost und West, zu Übergriffen. Opfer kann jeder werden, der nicht in das Weltbild der Rechtsextremen passt, ob EmigrantInnen, JournalistInnen oder politisch Andersdenkende.

Diese Angriffe richten sich hauptsächlich gegen Menschen aus anderen Herkunftsländern, aber auch gegen Behinderte, Obdachlose oder alternative Jugendliche. Die Täter sind erfahrungsgemäß männliche Jugendliche, die rechtsextremen Cliquen angehören; aber solche Angriffe werden erst in einem gesellschaftlichen Klima möglich, in welchem dem  Rassismus nicht entschieden begegnet wird.

Meist gelten diese Angriffe nicht nur den Betroffenen selbst, angesprochen fühlen sich alle. Angst macht sich breit, viele sind eingeschüchtert und bleiben den Orten, an denen sie befürchten angegriffen zu werden, fern. Das kann ein Bahnhof oder ein Platz vor dem Einkaufszentrum sein.

Das Land wird durchzogen von "No-Go Areas" für die Gruppen potentieller Betroffener. Aber Gewalt und Einschüchterung als Mittel zur Durchsetzung und Aufrechterhaltung rechter Hegemonie darf uns nicht entmutigen.

Öffentliches Engagement gegen Rechtsextremismus und für die Betroffenen von rechter Gewalt wird helfen, den Einfluss rechter Ideologie zu verringern, der rechten Gewalt die vermeintliche öffentliche Zustimmung zu entziehen und damit eine Abspannung rechter Machtpositionen bewirken.

Dabei geht es nicht nur darum, Anteilnahme am Schicksal einzelner zu erreichen. Es geht auch darum, die mit Ausgrenzung von Menschen verbundene Gefahr für die gesamte Gesellschaft zu erkennen.
P. Anders