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Die ursprüngliche Aufgabe und Bedeutung der Finanzwirtschaft liegt darin dafür zu sorgen, dass der Zahlungsverkehr funktioniert, dass Sparer und Investoren zusammenfinden, also eine effiziente Kredittransformation stattfindet, und dass man sich gegen Risiken versichern kann.

In der Realität ist dieser Sektor in den letzten Jahrzehnten enorm aufgebläht worden. Der Finanzsektor hat Raum gegeben für die permanente Spekulation, für Wetten, für Spielernaturen und für Kriminelle. Er hat so einen Anteil des Volkseinkommens für sich in Anspruch genommen, der weit über dem liegt, was die Wertschöpfung dieses Sektors wert ist. Diese Vorherrschaft ist möglich geworden, weil die Finanzwirtschaft sowohl die Politik als auch die Medien über weite Strecken beherrscht. Beispiele:

Die Medien- und Werbewirtschaft profitiert von der Privatisierung öffentlicher Unternehmen und den damit zusammenhängenden Börsengängen, und sie profitiert von der Privatisierung der Altersvorsorge.

Die Medien fördern die Finanzindustrie zum Beispiel dadurch, dass sie die private Altersvorsorge propagieren und die gesamte Propaganda zur angeblich negativen demographischen Entwicklung mitgemacht haben. (Kampagne von BILD und Allianzversicherung).

Die Medien haben die Propaganda mitgemacht, haben nicht kriminell genannt, was kriminell zu nennen ist: das Verpacken fauler Kredite in Pakete von angeblichen Wertpapieren; sie schonen seit Jahren Finanzindustrie und Politik durch Totschweigen von Steueroasen.

Die Medien lassen sich auch jetzt auf die Sprachregelungen der Finanzwirtschaft ein: es ist alles nicht so schlimm; dass der Steuerzahler einspringt, ist selbstverständlich; grundlegende Änderungen brauchen wir nicht; Populisten sind jene, die die Finanzkrise zum öffentlichen Thema machen.

Die Medien thematisieren nicht die ungeheuerliche Absicht, jene Menschen, die nicht im Besitz von Geldvermögen sind, über ihre Lohnsteuer und Mehrwertsteuer an der Sicherung der Einlagen der Vermögenden zu beteiligen. So sehr volkswirtschaftlich betrachtet die Sicherung der Einlagen sinnvoll sein mag, das Mindeste, was zu verlangen wäre, ist eine öffentliche Debatte der Zumutung, die darin besteht, dass man Vermögenslose und Schuldner an der Sicherung der Geldvermögen der Vermögenden beteiligt. Zumindest müsste man darüber nachdenken, wie nach der Überwindung der Krise eine Art Lastenausgleich bewerkstelligt werden kann.

Die politisch Verantwortlichen werden geschont. Dass Bundesfinanzminister Steinbrück und die Bundesregierung von Schröder bis Merkel unser Land bewusst den spekulativen Elementen des Finanzmarktes ausgesetzt haben, indem sie die Verbriefungen gefordert, Hedgefonds zugelassen und diese Art von Finanzmarkt durch weitere Privatisierungen ausdrücklich gefüttert und damit gefördert haben, wird nicht zum Thema gemacht.

Fazit. Die Verfilzung der Finanzwirtschaft mit der Industrie der Meinungsmache ist offensichtlich und hat direkte Folgen für die Willensbildung und die politische Entscheidungsfindung.