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Bildungspolitik in NRW – ein Drama in mehreren Akten

1. Akt: Versprechungen der Landesregierung

Was hatte die schwarz-gelbe Politik nicht alles versprochen: Eltern sollten sich auf Kinderbetreuung für Unter-3jährige freuen, im Kindergarten sollte mit KiBiz endlich verbindlich Bildung statt Betreuung einziehen. Die Schulen sollten zur Ganztagseinrichtung ausgebaut werden. Die nicht mehr gewollten Hauptschulen sollten zukunftsfähig gemacht werden. Die Hochschulen sollten moderner  und auf internationale Standards ausgerichtet werden; somit sollten Absolventen direkt in Berufskarrieren starten.

2. Akt: Landesregierung zieht Betroffene über den Tisch

1. Aufzug: Das KiBiz-Elend

Die Zahl der Plätze für Unter-3jährige entspricht – auch in Wuppertal - überhaupt nicht dem Bedarf! So gab es zwar Geld vom Bund, doch das Land gab zwar eine Garantie, aber keine eigenen Mittel dazu, so dass die Kommunen – wie immer – als diejenigen da standen, die zahlen mussten!

Mit KiBiz kam nicht die Bildung in die Kindergärten und Kindertagesstätten, sondern erst einmal entstanden größere Gruppen durch weniger Personal, mehr Bürokratie (denn die Bildung musste nun vor allem dokumentiert werden) und dazu noch mehr Aufgaben (z.B. die Sprachförderung mehrsprachiger Kinder), worauf die Erzieher/innen nicht vorbereitet waren.

2. Aufzug: Das Grundschul-Chaos

Die Freiheitsvorstellung der FDP sorgte dafür, dass motorisierte Eltern morgens ihre Kinder durch die Stadt fahren dürfen – in eine Grundschule, von der sie meinen, sie sei die beste - statt ihren Kindern Freiheit und Selbstständigkeit durch den Schulweg mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft und das selbstständige Verabreden am Nachmittag und Wochenende zu ermöglichen. Statt den Grundschulen, die größere soziale Aufgaben haben, zu helfen, werden diesen die Schüler/innen entzogen. Für die Schullandschaft führt das zu Verwerfungen: Je nach Hören-Sagen steigen die Anmeldungen in einer Schule, nehmen in anderen ab – und 2 Jahre später umgekehrt. Eine gleichmäßige Schulversorgung der Stadtteile findet so nicht mehr statt. An einer Schule soll angebaut werden, während gleichzeitig andere Schulen schließen. Das Chaos hat Methode!

3. Aufzug: Die Verhinderung der Gesamtschule

Viele Eltern wollen keine Aufteilung nach der 4. Klasse, sondern gemeinsames Lernen für ihre Kinder. Aber der Elternwille (für die Abschaffung der Grundschulbezirke wichtig!!!) gilt hier plötzlich nicht! So werden jedes Jahr in Wuppertal nur 780 Kinder an den Gesamtschulen angenommen, über 500 aber abgewiesen! Ein Skandal!

4. Aufzug: Die künstliche Beatmung der Hauptschulen

An den Hauptschulen gäbe es schon lange keine Schüler/innen mehr,  wenn es genügend Gesamtschulplätze gäbe. Aber die Landesregierung will aus rein ideologischen Gründen die Hauptschulen stärken. Das schadet den Schüler/innen, denn z.B. in Wuppertal erhalten nur 12% der Hauptschul-Absolvent/innen mit Abschluss einen Ausbildungsvertrag – also entlassen die Hauptschulen 88% der Schüler/innen in Warteschleifen an Berufskollegs. An Gesamtschulen erhalten alle mit Abschluss einen Ausbildungslatz oder erwerben einen weiteren schulischen Abschluss der Oberstufe!

5. Aufzug: G 8  oder das Turbo-Abitur = Kindesmisshandlung

An den Gymnasien muss auf einmal alles ganz schnell gehen, denn angeblich sind die deutschen Hochschulabsolvent/innen zu alt im internationalen Vergleich. Statt nun Kinder ab 5 einzuschulen, wie es mittlerweile schrittweise auch in NRW geschieht, stopft die Landesregierung in die 5 Jahre Mittelstufe so viel hinein, dass es an Kindesmisshandlung grenzt. So versuchen Eltern vermehrt, ihre Kinder zu schützen, indem sie sie in Gesamtschulen anmelden; die Anmeldezahlen an Gymnasien nehmen ab!

6. Aufzug: Das Hochschulfreiheitsgesetz + Bachelor/Master + Studiengebühren

Die Freiheit, die die Hochschulen erhielten, war vor allem die Freiheit, Geld zu beschaffen, denn gleichzeitig wurden die staatlichen Mittel gekürzt! Studiengebühren kamen, so dass nicht mehr Studis an die Uni gingen, obwohl das gerade erklärtes Ziel war. Dass vor allem Forschungsvorhaben im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich, die direkt industriell umgesetzt werden können, von Privaten gesponsert wurden, aber nicht die Geisteswissenschaften und die Lehrer/innen-Ausbildung – wer hätte das ahnen können???

Die Freiheit umfasste auch, die Studiengänge neu zu bestimmen, die nach dem Vertrag von Bologna  auf Bachelor und Master umgestellt wurden – und das bei weniger Mitteln für die Hochschulen!

Heraus kam eine „Prüferitis“ von Faktenwissen, die mit wissenschaftlichem Arbeiten (= überlegen, diskutieren, reflektieren) nichts mehr zu tun hat! Seit der Umstellung auf Bachelor und Master ist auch die Zahl der im Ausland verbrachten Semester nicht gestiegen, das wichtigste Ziel des Bologna-Vertrages!

3. Akt: ??

 Und genau diesen Akt schreiben die Wähler/innen am 9.Mai. Dann lautet die Frage: Soll dieses Elend weitergehen oder soll es einen Wechsel geben?

DIE LINKE will sofort

- eine Garantie auf einen KiTa-Platz für alle Eltern

- die Wiedereinführung der Grundschulbezirke

- einen garantierten Gesamtschulplatz für alle, die ihn wünschen, als den ersten Schritt

- auf dem Weg zu „Einer Schule für Alle“, in der alle Kinder – wie die erfolgreichen Bildungssysteme der PISA-Sieger – gemeinsam, aber individualisiert lernen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Familiensprache oder ihrer Behinderung. Denn dort findet kein Frontalunterricht statt, sondern individualisiertes Lernen, orientiert an der Entwicklung und den Bildungsbedürfnissen der Schüler/innen

- die Abschaffung des G 8

- die sofortige Abschaffung der Studiengebühren an Hochschulen

- eine Hochschulreform, die sich nicht an vermeintlichen Verwertungsbedürfnissen orientiert, sondern sich auf die wissenschaftliche Arbeit konzentriert und deshalb mit den Studierenden zusammen nach Wegen aus dieser Krise sucht.

Dafür braucht eine neue Landesregierung GELD! Und hier will DIE LINKE nicht woanders kürzen, sondern die Einnahmen des Staates erhöhen: über Steuern für hohe und höchste Einkommen, die Erbschaftssteuer, die Vermögenssteuer, die Börsenumsatzsteuer. Geld ist genug da, man muss es nur richtig einsetzen!